{"id":1755,"date":"2017-01-06T15:45:22","date_gmt":"2017-01-06T14:45:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/ernaehrung-die-suenden-der-kinderkrippen\/"},"modified":"2017-01-16T09:55:58","modified_gmt":"2017-01-16T08:55:58","slug":"ernaehrung-die-suenden-der-kinderkrippen","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/ernaehrung-die-suenden-der-kinderkrippen\/","title":{"rendered":"Ern\u00e4hrung: Die S\u00fcnden der Kinderkrippen"},"content":{"rendered":"<p>\u00a9 Beobachter; 25.01.2008; Ausgabe-Nr. 2; Seite 48<\/p>\n<h4>Daniela Palumbo<\/h4>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u00abMayonnaise oder Ketchup?\u00bb, fragt Veronika Sp\u00e4th* den Buben im Hochstuhl. Mit dem Finger deutet der Eineinhalbj\u00e4hrige auf die rote Flasche. Die Lehrtochter presst daraufhin so viel Sauce heraus, dass diese sich auf dem panierten Goldbuttfilet kringelt. Fasziniert verlangt nun das drei Jahre alte Gsp\u00e4\u00e4ndli, das neben ihm am Mittagstisch der Kinderkrippe Malters die Szene mitverfolgt hat, ebenfalls nach der roten Flasche mit dem Ketchup.<\/p>\n<p>In der K\u00fcche der kleinen Kindertagesst\u00e4tte in Malters LU wandern die Mayonnaisetube und die Ketchupflasche von einer Hand zur anderen. Zwei Erzieherinnen und zwei Praktikantinnen versorgen die neun Kleinkinder, die dichtgedr\u00e4ngt am Tisch sitzen, unbek\u00fcmmert mit der fetten oder der s\u00fcssen Sauce und achten darauf, dass die Kleinen ihren mit Fisch, Reis, Gem\u00fcse und Salat gef\u00fcllten Teller leeren.<\/p>\n<p>Die Kinderkrippe Malters ist eine von 79 Kindertagesst\u00e4tten in der Deutschschweiz, die sich an der Umfrage des Beobachters beteiligt haben: Was essen Kinder, die aus dem \u00abBreili\u00bb-Alter herausgewachsen sind, in der Krippe? Unterst\u00fctzt wurde die Umfrage vom Verband Kindertagesst\u00e4tten der Schweiz.<\/p>\n<p><strong>Die s\u00fcssen Verlockungen<\/strong><\/p>\n<p>Der Verband verpflichtet zwar die 580 registrierten Kindertagesst\u00e4tten, ihre Sch\u00fctzlinge gesund zu ern\u00e4hren. Trotzdem gibt es nicht \u00fcberall ein optimales Angebot, wie die beim Beobachter eingegangenen Men\u00fcpl\u00e4ne zeigen: Fettige Nahrungsmittel wie Chicken Nuggets, Pommes frites oder Fischst\u00e4bchen werden bedenkenlos in Krippenpfannen frittiert und S\u00fcsses wie Kuchen, Schokoladeaufstrich und gezuckerte Fr\u00fcchtejoghurts nicht nur an Geburtstagen aufgetischt.<\/p>\n<p>In Malters zauberte die Lehrtochter innerhalb einer Stunde eigentlich ein vorbildliches Men\u00fc auf den Tisch: \u00abGem\u00fcse-Reis-Pfanne mit Fisch und Salat\u00bb. Doch: \u00abMayonnaise und Ketchup sind Lebensmittel, die in einer Kinderkrippe \u00fcberfl\u00fcssig sind, da es ges\u00fcndere Alternativen wie Quarkdips und Joghurtsauce gibt\u00bb, sagt Marion W\u00e4fler, Ern\u00e4hrungsberaterin der Schweizerischen Gesellschaft f\u00fcr Ern\u00e4hrung (SGE) in Bern. Mayonnaise enth\u00e4lt viel Fett, Ketchup viel Zucker. \u00abAls Kind pr\u00e4gen sich Ern\u00e4hrungsgewohnheiten aus, die sich als Erwachsener kaum mehr \u00e4ndern lassen\u00bb, sagt W\u00e4fler. \u00abDeshalb ist die Ern\u00e4hrungserziehung im Krippenalter wichtig.\u00bb<\/p>\n<p>Bereits \u00fcber 50000 Kinder verschlingen ihren Zn\u00fcni, Zmittag und Zvieri in Schweizer Kindertagesst\u00e4tten. Diese Institutionen beeinflussen immer mehr das Ern\u00e4hrungsverhalten der Kleinen. Und dieses bekommt in der Schweiz keine guten Noten. Wie eine nationale Untersuchung im Jahr 2004 ergab, sind fast 36 Prozent der sechs- bis zw\u00f6lfj\u00e4hrigen Kinder \u00fcbergewichtig und knapp vier Prozent fetts\u00fcchtig.<\/p>\n<p>Was auf den Krippentisch kommt, bestimmen oft keine Experten f\u00fcr Kleinkinderern\u00e4hrung. In zehn Prozent der befragten Kindertagesst\u00e4tten kochen die Erzieherinnen selber. Mehr als die H\u00e4lfte engagiert K\u00f6chinnen oder K\u00f6che, die aber nicht in jedem Fall daf\u00fcr ausgebildet sind, und knapp ein Drittel bezieht das Essen von einem Zulieferer, der auf Erwachsenenkost ausgerichtet ist, wie etwa einem Restaurant, der Grossk\u00fcche eines Spitals oder Altersheims.<\/p>\n<p><strong>Kochen hat keine Priorit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Die Qualit\u00e4t des Essens ist nicht zuletzt abh\u00e4ngig von der Qualit\u00e4t der Rohwaren. Wie unterschiedlich die Krippen einkaufen, zeigt die Beobachter-Umfrage. Einige f\u00fcllen ihren K\u00fchlschrank und Tiefk\u00fchler mit Billigware. In Malters lautet die Devise beim Einkauf beispielsweise: m\u00f6glichst Budget-Produkte aus der Migros, Prix-Garantie-Waren aus dem Coop und bei Aktionen zugreifen. Brot, Gem\u00fcse, Fr\u00fcchte, Fleisch und Fertigprodukte wie Pizza und Pommes frites liefert die Spendenorganisation \u00abLuzerner-Tafel\u00bb der Krippe zweimal pro Woche gratis.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich alle Krippen zumindest M\u00fche geben, das Men\u00fc saisonal abzustimmen und abwechslungsreich zu kochen, verwenden die wenigsten ausschliesslich Bioprodukte, da sie zu teuer sind. Immerhin jede zweite Krippe greift hie und da ins Bioregal oder gibt einzelnen Bioprodukten wie Brotmehl und Bouillon ohne Konservierungsstoffe den Vorzug.<\/p>\n<p>Statt Biowaren kaufen mehr als drei Viertel der befragten Krippen immer wieder teure Fertigprodukte. In Stresszeiten oder bei Personalmangel hat das Kochen wenig Priorit\u00e4t. Dann wird mancherorts eine Pizza in den Ofen geschoben, eine B\u00fcchse Ravioli ge\u00f6ffnet oder werden Tortellini mit Reibk\u00e4se und Fertigsalat gesch\u00f6pft. Fertigprodukte sind Einstellungssache. Von einigen verteufelt, von anderen geliebt. Fakt ist: Sie sind hochverarbeitet und enthalten Zusatzstoffe, die gesetzlich zugelassen sind, obwohl etwa die H\u00e4lfte dieser 300 Substanzen hinsichtlich ihrer Wirkung auf die Gesundheit unter Forschern umstritten ist.<\/p>\n<p>\u00abWichtig ist eine gute Balance zwischen Fertig- und naturbelassenen Produkten. Wer eine Pizza auftischt, sollte dazu unbedingt Gem\u00fcse servieren\u00bb, sagt W\u00e4fler von der SGE. \u00abChicken Nuggets und Pommes frites braucht es jedoch nicht in einer Krippe. Wir sollten Kinder nicht zu fr\u00fch an Hochverarbeitetes gew\u00f6hnen.\u00bb<\/p>\n<p><strong>Es fehlen Konzepte und Kontrollen<\/strong><\/p>\n<p>In der Schweiz gibt es keine nationale Studie zur Ern\u00e4hrungssituation in Kindertagesst\u00e4tten. Immerhin hat eine Diplomandin der Schule f\u00fcr Ern\u00e4hrungsberatung Z\u00fcrich im Jahr 2006 untersucht, woran es vier- bis sechsj\u00e4hrigen Kindern in Z\u00fcrcher Krippen mangelt: an H\u00fclsenfr\u00fcchten, Vollkornprodukten, Fisch, Milch und Milchprodukten. Daf\u00fcr wird zu oft Sonnenblumen\u00f6l statt ges\u00fcnderen Raps- oder Oliven\u00f6ls verwendet, und es gibt zu oft Fleisch und W\u00fcrste.<\/p>\n<p>Unausgewogen ern\u00e4hrte Kinder k\u00f6nnen unkonzentriert, m\u00fcde oder launisch sein. Einzelne Krippen nehmen sich neuerdings in die Pflicht und lassen sich von Ern\u00e4hrungsberatern begleiten, da allgemeing\u00fcltige Konzepte f\u00fcr Qualit\u00e4tsstandards fehlen und die K\u00fcchent\u00f6pfe in Krippen nicht kontrolliert werden.<\/p>\n<p>Viele Eltern sind vor allem darum besorgt, dass ihre Kinder satt werden. Was die Tochter oder der Sohn w\u00e4hrend des Tages tats\u00e4chlich gegessen hat, wissen die wenigsten, obwohl in jeder Krippe ein Men\u00fcplan h\u00e4ngt. Die Eltern sollten die Leiterinnen jedoch fragen, welche Lebensmittel an einem Tag eventuell zu kurz kamen, um die daheim zubereiteten Mahlzeiten entsprechend zu erg\u00e4nzen.<\/p>\n<p>In der Kinderkrippe Malters haben die Kleinen alle Teller und Pfannen geleert. M\u00fcde, aber satt und selig h\u00e4ngen die Knirpse in ihren Hochst\u00fchlen. Nur die Sch\u00fcssel mit dem Gartensalat steht fast unber\u00fchrt auf dem Tisch. Diesmal hat auch die von den Erzieherinnen selber zubereitete Sauce aus Sonnenblumen\u00f6l, Essig, Milch und Mayonnaise die Kinder nicht verf\u00fchren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>* Name ge\u00e4ndert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u00a9 Beobachter; 25.01.2008; Ausgabe-Nr. 2; Seite 48 Daniela Palumbo &nbsp; \u00abMayonnaise oder Ketchup?\u00bb, fragt Veronika Sp\u00e4th* den Buben im Hochstuhl. Mit dem Finger deutet der Eineinhalbj\u00e4hrige auf die rote Flasche. Die Lehrtochter presst daraufhin so viel Sauce heraus, dass diese sich auf dem panierten Goldbuttfilet kringelt. Fasziniert verlangt nun das drei Jahre alte Gsp\u00e4\u00e4ndli, das [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"parent":0,"menu_order":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","template":"","meta":{"footnotes":""},"categories":[],"tags":[],"class_list":["post-1755","page","type-page","status-publish","hentry"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1755","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/types\/page"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1755"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1755\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1770,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/pages\/1755\/revisions\/1770"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1755"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1755"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kita-regenbogen.ch\/en\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1755"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}