Die Eingewöhnung nach dem Berliner Eingewöhnungsmodell orientiert sich an den individuellen Bedürfnissen des Kindes. Im Mittelpunkt stehen der Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung zur pädagogischen Fachperson sowie eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern. Jedes Kind benötigt unterschiedlich viel Zeit, um sich an die neue Umgebung, die neuen Bezugspersonen und den veränderten Tagesablauf zu gewöhnen.
Was tun, wenn mein Kind beim Abschied weint?
Der Abschied ist für viele Kinder der emotional herausforderndste Moment der Eingewöhnung. Weinen ist dabei eine normale und altersentsprechende Reaktion. Es zeigt, dass das Kind eine sichere Bindung zu seinen Eltern hat. Für das Kind ist ein klarer, kurzer und liebevoller Abschied besonders wichtig. Es soll bewusst erleben, dass Mama oder Papa sich verabschieden und später wiederkommen. Ein wiederholtes Zurückkommen oder ein langes Hinauszögern des Abschieds kann das Kind verunsichern und den Trennungsprozess erschweren. Kinder orientieren sich stark an der Haltung ihrer Eltern. Wenn Eltern Vertrauen in die pädagogischen Fachpersonen ausstrahlen und Sicherheit vermitteln, unterstützt dies das Kind dabei, ebenfalls Vertrauen aufzubauen und die neue Bezugsperson anzunehmen. Die pädagogische Fachperson begleitet das Kind während dieser Phase feinfühlig, nimmt seine Gefühle ernst und bietet Trost sowie Sicherheit an. Ziel ist nicht, das Weinen sofort zu beenden, sondern das Kind in seinen Emotionen zu begleiten und ihm zu zeigen, dass es auch in der neuen Umgebung zuverlässig unterstützt wird. Sollte sich ein Kind trotz intensiver Begleitung nicht beruhigen lassen oder die Trennung an diesem Tag noch nicht bewältigen können, werden die Eltern selbstverständlich telefonisch informiert. Ein vertrauter Gegenstand von zu Hause, beispielsweise ein Kuscheltier oder ein Nuschi, kann zusätzlich Sicherheit und Geborgenheit vermitteln und den Übergang erleichtern.
Was ist, wenn mein Kind während der Eingewöhnung wenig isst oder trinkt?
Ein verändertes Ess- und Trinkverhalten ist während der Eingewöhnung keine Seltenheit. Das Kind verarbeitet viele neue Eindrücke und befindet sich in einer Phase der Orientierung. Solange noch keine ausreichende emotionale Sicherheit besteht, stehen das Beobachten und das Kennenlernen der neuen Umgebung häufig im Vordergrund. Erst wenn sich das Kind sicher fühlt und eine vertrauensvolle Beziehung zur pädagogischen Fachperson aufgebaut hat, gewinnt auch das Essen und Trinken wieder an Bedeutung. Deshalb begleiten wir die Kinder ohne Druck und respektieren ihre individuellen Bedürfnisse. Mit zunehmender Sicherheit normalisiert sich das Ess- und Trinkverhalten Schritt für Schritt.
Warum verändert sich der Schlafrhythmus während der Eingewöhnung?
Während der Eingewöhnung verarbeitet das Kind täglich viele neue Eindrücke. Neue Menschen, Räume, Geräusche und Abläufe erfordern viel Aufmerksamkeit und Energie. Dies kann sich vorübergehend auf den Schlaf auswirken. Manche Kinder schlafen mehr als gewohnt, andere benötigen weniger Schlaf oder schlafen unruhiger. Auch Einschlafzeiten können sich verändern. Diese Reaktionen sind aus pädagogischer Sicht normal und Ausdruck der intensiven Verarbeitung neuer Erfahrungen. Mit zunehmender Vertrautheit, einem sicheren Bindungsgefühl und einer wachsenden Orientierung im Kita-Alltag findet das Kind wieder zu seinem gewohnten Schlafrhythmus zurück.
Warum weint mein Kind beim Abholen, obwohl es den ganzen Tag fröhlich gespielt hat?
Dieses Verhalten beobachten wir häufig und es lässt sich bindungstheoretisch gut erklären. Während des Tages beschäftigt sich das Kind mit dem Erkunden der neuen Umgebung, dem Aufbau von Beziehungen und der Bewältigung vieler neuer Eindrücke. Dafür benötigt es viel Konzentration und emotionale Energie. Beim Wiedersehen mit den Eltern erlebt das Kind seine vertraute Bindungsperson als “sicheren Hafen”. In diesem Moment fällt die innere Anspannung ab und die während des Tages zurückgehaltenen Gefühle dürfen gezeigt werden. Das Weinen ist deshalb häufig ein Ausdruck von Erleichterung, Müdigkeit und emotionaler Verarbeitung. Nicht von einem schlechten Tag. Aus pädagogischer Sicht zeigt dieses Verhalten vielmehr, dass das Kind eine sichere Bindung zu seinen Eltern hat und darauf vertraut, seine Gefühle bei ihnen zeigen zu dürfen. Es ist ein normaler Bestandteil vieler Eingewöhnungen und klingt mit zunehmender Sicherheit und Vertrautheit wieder ab.
Vertrauen als Grundlage der Eingewöhnung
Kinder nehmen die Gefühle und die Haltung ihrer Eltern sehr genau wahr. Sie orientieren sich an ihrer Bezugsperson und spüren, ob diese Vertrauen in die neue Situation hat oder unsicher ist. Deshalb ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und pädagogischen Fachpersonen ein wichtiger Bestandteil der Eingewöhnung. Wenn Eltern Vertrauen in die pädagogischen Fachpersonen haben und ihrem Kind vermitteln: „Du bist hier sicher und ich weiß, dass gut für dich gesorgt wird.“, gibt das dem Kind Orientierung und Sicherheit. Diese Sicherheit erleichtert es dem Kind, eine vertrauensvolle Beziehung zur pädagogischen Fachperson aufzubauen und sich auf die neue Umgebung einzulassen. Deshalb ist eine offene und ehrliche Zusammenarbeit zwischen Eltern und Fachpersonen besonders wertvoll. Fragen, Sorgen oder Unsicherheiten dürfen jederzeit angesprochen werden, denn nur gemeinsam können wir dem Kind einen sicheren und gelungenen Start in den Kita-Alltag ermöglichen.
Verfasserin: Ilenia
